Page 1 / 14

2D-Leistung im Rückwärtsgang? Eine umfassende Analyse - Einführung: Die Relevanz der 2D-Grafikausgabe über das GDI

22:30 - 20/01/2010

Zunächst möchten wir an dieser Stelle unbedingt auf den ersten Teil des Artikels verweisen, der die Grundlagen enthält, auf denen diese Fortsetzung aufbaut. Der erste Teil wird zum besseren Verständnis vorausgesetzt: ATI im Rückwärtsgang? 2D-Leistung bleibt auf der Strecke

In diesem zweiten Teil beschäftigen wir uns nun verstärkt mit der Relevanz des GDI, erklären die 2D-Grafikausgabe im Detail und stellen unseren einfachen 2D GDI-Benchmark vor. Um dessen Ergebnisse richtig einordnen zu können, sind natürlich einige theoretische Grundkenntnisse nötig. Wir haben deshalb die Thematik etwas weiter vertieft, wobei wir auch diesmal die Darstellung stark vereinfacht haben, so dass es einfach und verständlich bleibt. Natürlich bleiben dadurch technische Finessen auf der Strecke, aber die Verständlichkeit für die breite Leserschaft hat Vorrang.

Direct2D oder GDI? Oder sogar beides?

Warum testen wir in Zeiten von Windows 7 und Direct2D noch das GDI?

Man könnte meinen, spätestens seit der Einführung von DirectX10-fähigen Grafikkarten und Vista wäre das alte GDI für die Ausgabe der 2D-Zeicheninhalte überflüssig. Mit WPF (Windows Presentation Foundation) und damit auch Direct2D steht auf diesen Systemen der von Microsoft propagierte Nachfolger seit längerer Zeit schon in den Startlöchern. Allerdings gibt es auch heute noch eine Menge Argumente und Gründe, warum das GDI (Graphics Device Interface) immer noch eine nicht zu bestreitende Bedeutung besitzt und man deshalb einen Teil des Augenmerkes auch auf diesen Bereich legen sollte.


Viele Softwarehersteller schrecken bis heute vor der Umstellung zurück, denn man greift bei unterschiedlichen Programmen oft genug auf die gleichen Bibliotheken zu, die einmal fertig erstellt wurden. Eine Umstellung dieser Module hätte auch eine Anpassung aller betroffenen Programme zur Folge. Da die Leistungssteigerung in vielen Fällen kaum subjektiv spürbar ist, verdrängen Softwarehersteller diese Umstellung gern aus ökonomischen Gründen. Wenn man zum Beispiel mit verfolgt, wie lange allein die Implementierung von Direct2D in Teile des Mozilla Firefox dauert, wird man die Industrie verstehen, wenn sie diese Umstellung nur sehr langsam vollzieht. Darüber hinaus wäre es für viele Firmen aus betriebswirtschaftlichen Gründen keine Option, XP-Kunden als Zielgruppe komplett auszuschließen. Beides zu implementieren würde sich dann auf den Preis niederschlagen, den keiner mehr zu zahlen bereit wäre. Das GDI wird uns allein aus diesen Gründen sicher noch so lange erhalten bleiben, wie XP eine nennenswerte Rolle im Endanwenderbereich spielt.

Direct2D als Teil der Direct3D-Ausgabe (D3D)

Doch es gibt auch technische Gründe. Der bestehende und oft sehr ausgereifte Code ist nicht wirklich 1:1 portierbar. Direct2D erzeugt zudem einen nicht zu verachtenden Overhead und kann eigentlich nichts, was Direct3D auch könnte. Und wo man auf Direct3D lieber verzichtet, wird man die Gründe sicher gut abgewogen haben. Das GDI kann zudem unabhängig vom Ausgabegerät (Monitor, Drucker) genutzt werden. Eine einzige Routine kann so innerhalb eines Programmes gleichzeitig zum Anzeigen und zum Drucken aufgerufen werden, der Code und der Programmieraufwand reduzieren sich dadurch auf die Hälfte und auch die Fehlerwahrscheinlichkeit sinkt.  Viele der vorhandenen preiswerteren Drucker sind zudem GDI-Drucker, so dass  dieser Bestandteil des Betriebssystems  vorerst wohl auch weiter erhalten werden wird, zumal es immer noch genügend  Druckertreiber gibt, die nur das GDI unterstützen.  

Der Sinn des Ganzen

Wir selbst sehen die Umsetzung von WPF/Direct2D natürlich als von Microsoft forcierten und wohl sicher auch unumkehrbaren technischen Fortschritt, möchten aber bei aller Euphorie über neue Techniken mit diesem Artikel noch einmal nachdrücklich an die Gegenwart erinnern.  Es gibt einschließlich Windows XP noch so viele technische Altlasten, dass man sich nicht nur nach vorn orientieren kann, ohne die aktuelle Lage zu berücksichtigen. Dass so etwas schnell schief gehen kann, erkennt man am Beispiel der XP-Phobie der 780G/785G-Onboardgrafik wohl am besten.

Wir wollen die Benchmarks des ersten Teils noch einmal mit einem modifizierten Programm wiederholen und dieses dann allen Lesern zum Download bereit stellen. Nur so viel sei verraten, auch extrem teure Karten patzen bei simplen Operationen, wenn sie von Nachlässigkeiten im Treiber ausgebremst werden.

Seite 1 / 14