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Windows: Die Maus als Fensterputzer
00:00 - 12/01/2010
Wir schreiben das Jahr 1985. Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU, Joschka Fischer wird erster grüner Minister, Sat. 1 geht erstmals auf Sendung und „Cheri Cheri Lady“ nervt uns 4 unendliche Wochen als Nummer Eins der deutschen Hitparade. Neben all diesen wichtigen Dingen betritt zunächst fast unbemerkt eine kleine, noch recht unscheinbare Software die Welt, die heute mittlerweile marktführend auf den meisten PCs installiert ist: Windows von Microsoft.
Die Idee, einen grafischen Aufsatz über die eigentliche, textbasierte Betriebssystemebene zu stülpen, ist nicht wirklich neu. Auf diese Art und Weise versuchten Firmen wie Microsoft oder Digital Research neue, weniger exklusive Käuferschichten zu erschließen und die neue PC-Technik einer breiten Masse an Konsumenten schmackhaft zu machen, da man diese Software endlich auch ohne abgeschlossenes IT-Studium bedienen konnte. Im Gegensatz zu Windows 1.0 konnte das Konkurrenzprogramm GEM jedoch bereits mit überlappenden Fenstern umgehen.
Hätte man nicht 1987 Windows 2.0 bringen können, welches diese Technik ebenfalls beherrschte, dann würde heute kein Mensch mehr über Windows reden. Dass Windows in den ersten zwei Jahren überhaupt überlebte, hat die Firma in erster Linie einem Mitarbeiter zu verdanken, der noch heute die Massen polarisiert: Steve Ballmer. Unvergessen sein Werbespot für die zugegebenermaßen noch recht spartanisch anmutende erste Windows-Version. Unvergessen auch der Preis: 99 Dollar für ein Windows ohne wirkliche Fenster. Der Mann hat echten Unterhaltungswert:
Steve Ballmer wirbt in Höchstform für ein fensterloses Windows. DejaVu oder Dauerzustand?
Seit diesem Zeitpunkt erfuhr Windows mit der Einführung der jeweiligen Nachfolge-Versionen schrittweise Evolutionen oder auch Revolutionen. Aber die eigentliche Problemstellung, mit der wir uns beschäftigen möchten, besteht jedoch bis heute.
Spätestens jetzt werden sich die meisten fragen, warum wir soweit ausgeholt haben. Der Grund ist jedoch so simpel wie einleuchtend. Anhand des Fenstervergleichs haben wir gelernt, dass es eigentlich zwei Aufgabenbereiche gibt – die grafische Benutzeroberfläche (wobei hier nicht die Kleidung des Anwenders, sondern die Desktopgestaltung gemeint ist) einschließlich der Fensterverwaltung und die reinen Zeichenfunktionen, über die diese Grafiken erstellt werden. Erstellen und Verwalten sind also zwei getrennte, wenn auch voneinander abhängige Aufgabenbereiche. Und während sich die Oberfläche von Windows immer weiter entwickelt und ändert, sind die Grundfunktionen weitgehend dieselben geblieben.
Wenn wir nun in den nachfolgenden Abschnitten verallgemeinernd von der 2D-Beschleunigung sprechen, dann betrifft dies sowohl die grafische Ausgabe der Oberfläche, als auch die hardwarenahe Umsetzung der eigentlichen Zeichenbefehle. Ohne gutes Management ist eine Werkshalle voller Arbeiter zur Untätigkeit verdammt und ohne fleißige Arbeiter, die ihre Aufgaben ohne Schnörkel auf möglichst direktem Weg erledigen, ist das beste Management überflüssig. Man kann und darf diese Anforderungen in der Gesamtheit nicht voneinander trennen.
Gut informierte Leser wissen natürlich, dass es unter einer fensterbasierten Oberfläche gar keine reine 2D-Grafik geben kann. Deshalb werden wir im nächten Abschnitt klären, warum es zwar reine 2D-Zeichenbefehle gibt, diese jedoch bei der Grafikausgabe am Bildschirm trotz allem mehr oder weniger dreidimensional betrachtet werden müssen.
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